Künstliche Intelligenz ist auch eine Insel

Erfahren Sie, wie Sie mit einer einfachen Metapher auf zahlreiche Anwendungsfälle für KI stoßen können.

10
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12.2.2021

Künstliche Intelligenz ist oftmals ein Marketing-Buzzword. Da es so vielseitig eingesetzt wird, ist die Trennlinie zwischen herkömmlicher Programmierung und “intelligenter Software” meist ziemlich verschwommen. Wir wollen Ihnen mit diesem Artikel (und weiteren Blog-Posts, die bald folgen werden) zeigen, wie Sie geeignete  KI-gestützte Anwendungsfälle in Ihrem Unternehmen identifizieren können.

Eine tolle Technik zur Identifizierung von KI-gestützten Anwendungsfällen ist dabei die Metapher der KI-Insel von Cassie Kozyrkov. Wir erklären diese hier in leicht abgewandelter Form. Lassen Sie uns dafür folgende Übung durchgehen:

Zunächst vergessen Sie bitte für die Dauer der Übung, dass es Künstliche Intelligenz überhaupt gibt. Kein Hype, keine Buzzwords.

Gehen wir auf Reise..

Nun erzähle ich Ihnen, dass ich eine Insel kenne, auf der freundliche und hilfsbereite Bewohner leben. Diese lieben es, Aufgaben zu lösen, und sie sind gerne bereit dazu, uns beliebig viel Arbeit abzunehmen. Leider sprechen die Bewohner aber nicht unsere Sprache. Damit wir diesen unsere Aufgaben stellen können, müssen wir anhand von beschrifteten Beispielen kommunizieren.

Ich möchte etwa, dass diese Bewohner für mich Stellen in meinen Blog-Posts markieren, in denen ich über Best Practices zu KI schreibe. Damit ich diese Aufgabe abgeben kann, markiere ich einige Stellen meiner Blog-Posts beispielhaft (z.B. mit einem grünen Textmarker), und sende diese dann an die Bewohner, in der Hoffnung, dass meine Intention klar wird. Wichtig ist hierbei, dass diese Beispiele verdeutlichen, was ich von den Bewohnern als Antwort erwarte.

Nun sind Sie an der Reihe und reisen auf diese Insel. Welche Arbeit würden Sie an die Inselbewohner abgeben wollen? Natürlich können Sie nicht nur Texte markieren lassen. Stattdessen können Sie etwa Rechnungen deren Kategorien zuordnen (“Restaurantbesuch”, “Hotel”, ...), können in Bildern relevante Stellen finden. Sie können Tabelleneinträge markieren, die Ihnen nicht gefallen - um etwa schlechte Datenqualität frühzeitig zu erkennen. Sie können einem Lead eine Auftragswahrscheinlichkeit auf Basis zahlreicher dynamischer Informationen zuordnen. Was fällt Ihnen alles ein? Für welche wiederkehrenden Aufgaben würden Sie sich wünschen einen Inselbewohner mit markierten Beispielen anzulernen? Fangen Sie an zu brainstormen. Filtern können Sie im nächsten Schritt noch.

Nun haben Sie eine Liste von Ideen. Wie viele sind Ihnen eingefallen? 5? 10? 20? Lassen Sie uns nun beginnen, diese Ideen zu filtern.

Welche Idee ist nun am besten?

Zunächst müssen wir überlegen, wie wir die Ergebnisse der angelernten fleißigen Helfer überprüfen. Wie können wir festlegen, ob ein Ergebnis korrekt ist? Wir müssen uns auch überlegen, wie “teuer” ein fehlerbehaftetes Ergebnis ist. Gibt es Fälle, in denen ein fehlerhaftes Ergebnis etwa 1000 korrekte Ergebnisse überwiegt? Ordnen Sie die Ideen wie im folgenden Bild dargestellt ein:

Ordnen Sie Ihren Ideen jeweils zu, wie schwerwiegend fehlerhafte Ergebnisse sind

Wenn Fehler sehr schwerwiegend sind, sollten Sie sich gedanklich zunächst davon verabschieden, dass die Inselbewohner Ihre Aufgabe vollständig für Sie übernehmen können. Stattdessen werden die Helfer vermutlich einfachere Fälle dieser konkreten Aufgabe übernehmen, oder Ihnen assistieren. Lesen Sie mehr dazu in unserem Blogpost zu den Betriebsmodi Künstlicher Intelligenz.

Wie bereits erwähnt brauchen Sie Beispiele. Oftmals viele. Da dies einem Aufwand entspricht, wollen Sie wissen, was Sie als Gegenleistung für diesen Aufwand erhalten. Ordnen Sie dafür im nächsten Schritt den geschätzten Mehrwert dem gegenüberstehenden Datenaufwand zu. Ein erhöhter Datenaufwand (etwa dadurch, dass Sie Daten noch sammeln oder annotieren müssen) kann gerechtfertigt werden, wenn der entstehende Wert groß genug ist.

Finden Sie heraus, welche Anwendungsfälle das beste Preis/Leistungs-Verhältnis haben

Grundsätzlich gilt: Sobald Sie eine interessante Idee entwickelt haben - Fangen Sie im Kleinen an. Sammeln Sie einige Beispiele und schauen Sie, wie erste Ergebnisse aussehen. Wollen Sie anfangen, den Bewohnern Ihre Aufgabe beizubringen, damit sie diese für Sie bearbeiten können? Oder schätzen Sie auf Basis der ersten Ergebnisse, dass die Aufgabe zu komplex für die Inselbewohner ist? Ein Tipp: Wenn Sie wollen, dass die Bewohner eine Klasse für Ihr Beispiel nennen (etwa ob in einem Bild ein Hund, eine Katze oder eine Maus auftritt), dann versuchen Sie, maximal 10 Klassen zu verwenden. Ansonsten steigt die nötige Menge an Beispielen stark an.

Sehr einfach dargestellt verdeutlicht dieses Inselbeispiel das Supervised Learning; das Teilgebiet der Künstlichen Intelligenz, welches für die größten Erfolge in der Künstlichen Intelligenz sorgt. Unsere Inselbewohner sind die Algorithmen, welche (ausschließlich) anhand von Beispielen lernen können.

Sie haben eine Idee und möchten diese umsetzen? Sie wollen die hier gezeigte Methodik einmal in einem unverbindlichen und kostenfreien Workshop durchführen? Oder Sie wollen prinzipiell einmal besprechen, welche Einsatzgebiete es für KI gibt? Schreiben Sie uns gerne! Wir freuen uns, mit Ihnen darüber zu sprechen, wie Sie KI sinnvoll einsetzen können.